BildungsANschlüsse statt Bildungsabschlüsse

Zum Internationalen Menschenrechtstag 10.Dezember

Wenig analysiert, aber praktisch bedeutsam ist die Schnittstelle zwischen „erfolgreicher Anerkennung von im Ausland erworbener Berufsqualifikation“ und dem „ausbildungsadäquater Berufseinstieg“. Aktuelle Strategien und Forschung dazu setzen sich – noch – leider nicht mit den Bedarfen von Klein- und Mittelbetrieben (KMUs) auseinander. Diese stellen aber einen Großteil der Arbeitsplätze.

Der Anerkennungsprozess ist tatsächlich erst mit dem erfolgreichen, ausbildungsadäquaten Berufseinstieg abgeschlossen. Der Begriff Bildungsanschluss (statt Bildungsabschluss) soll das versinnbildlichen. Dieser Zugang bringt mit sich, die Bedeutung der arbeitgebenden Institutionen und deren Einstellungspraxen in Hinblick auf gut qualifizierte und „anerkannte“ MigrantInnen ins Zentrum zu stellen. Dies kann sowohl eine formale Anerkennung (mit Bescheid) über eine der vielen dafür zuständigen österreichischen Behörden sein, aber auch eine Bewertung. Bewertungen haben den Status eines Gutachtens oder einer Empfehlung. Anerkannt! legt den Fokus auf genau diese Frage, was dem bildungs- und menschenrechtspolitischen Profil des Projektes entspricht.

Der Bedarf von KMUs ist in der einschlägigen Anerkennungs-Literatur weitgehend ausgeblendet. Dieser aus Diversitätssicht problematische „blinde Fleck“ bedeutet, dass wichtige Akteure im Feld nicht einbezogen werden. Nochmals unbeachtet bleibt somit offensichtlich die Frage: Was hindert und was motiviert KMUs, gut qualifizierte MigrantInnen mit erfolgreich absolvierter Anerkennung/ Bewertung wahrzunehmen und aufzunehmen? Auch die Frage, wie die Karriereverläufe von MigrantInnen mit erfolgreich abgeschlossener Berufsanerkennung aussehen, bleibt offen. Besonders interessant ist die Frage, wie ArbeitgeberInnen / Personalzuständige mit Anerkennungs-/Bewertungsunterlagen umgehen, da diese teilweise Dokumente beinhalten, die man nicht oft zu Gesicht bekommt. Dies sind zum Beispiel Nostrifizierungsbescheide oder formale Bewertungen, wie sie ENIC NARIC Austria ausstellt. Auch die Verknüpfung mit Wissen um sozial- und fremdenrechtlicher Hinsicht, etwa bezogen auf AusländerInnenbeschäftigungsmodalitäten oder auf Visaangelegenheiten, sind von großem Interesse. Daraus ergibt sich letztendlich die Frage, ob aufgrund dieser Situation Formen der strukturellen Diskriminierung ableitbar sind, die KMUs die Personalaquise erschweren, wenn es um den Zugang zu gut qualifizierten MigrantInnen geht. Wie sieht der Bedarf bei diversitätssensibler Personalauswahl und Personalentwicklung aus? Dies interessiert und sowohl im öffentlichen Bereich (Stichwort „Interkulturelle Öffnung von Institutionen“) als auch in der Privatwirtschaft

Wir entwickeln dazu praxisorientierte Handlungsempfehlungen und weitere Angebote, um ein wenig dazu beizutragen, dass Bildungsanschlüsse ein Stück gelebte Menschenrechtspraxis werden.