„ Nostri … was? Informationstools zur Unterstützung des Anerkennungsprozesses in Österreich.“

In Österreich ist die Kompetenzverteilung der sachlich zuständigen Stellen für Fragen der beruflichen Anerkennung ausländischer Qualifikationen sehr fragmentiert. Dieser Umstand fordert nicht nur die österreichischen Institutionen selbst, sondern vor allem auch die betroffenen Personen heraus, die bereits mit ausländischen Qualifikationen in Österreich leben oder ankommen. Für die erste Gruppe – Personen mit ausländischen Qualifikationen, die bereits länger in Österreich leben – ist zu beobachten, dass diese eher spät in den Anerkennungsprozess einsteigen. Für die zweite Gruppe – Personen mit ausländischen Qualifikationen, die nach Österreich kommen – steht der Anerkennungsprozess ihrer Qualifikationen im Idealfall am Anfang eines neuen persönlichen wie beruflichen Lebensweges in Österreich.
Für die Initiierung des Anerkennungsprozesses sind verlässliche Sach- und Erstinformationen zentral, um eine Verzögerung aufgrund fehlender Basisinformationen zu verhindern. Betroffene berichten bis 2012 oftmals über Barrieren in diesem Bereich. Damit sind vor alle die validen Erstinformationen (aus dem Ausland), die Sprachbarrieren wie auch die Unwissenheit über vorhandene Fördermöglichkeiten gemeint, die zentral sind, um erfolgreich diesen Prozess initiieren zu können .
Seit 2012 gibt es erfreulicherweise eine positive Trendwende. Dieser Trend ist zweifelsohne durch Strategieänderungen für mehr Transparenz geschuldet. Dazu gehören auch Maßnahmen wie der Bereitstellung von mehrsprachigen Informationsquellen, Beratungsmöglichkeiten, der Möglichkeit von Online-Antragsstellung (Bewertungen von im Ausland erworbene akademische Abschlüsse) sowie der Schaffung eines bundesweiten Netzwerks für institutionelle Partner/innen im Anerkennungsbereich.

Kommunikationskanäle zwischen den Institutionen etablieren und aufbauen – Netzwerk Anerkennung
„Netzwerk – Anerkennung“ vernetzt seit 2012 institutionelle Kompetenzen aus der bundesweiten institutionellen Anerkennungspraxis. Operativ ist es im Integrationszentrum Wien des ÖIF angesiedelt und wird gemeinsam mit dem Bundesministerium für Europa, Äußeres und Integration (BMEIA) koordiniert. Jährlich finden drei Sitzungen mit bundesweiten Vertreterinnen und Vertretern aus Ministerien, Gebietskörperschaften, von den Sozialpartner/innen, Wissenschaft und Beratungspraxis statt. Die Chancen und Herausforderungen für ein künftiges Anerkennungsgesetz in Österreich stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie der Informationsaustausch über aktuelle Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene, oder auch Fragen zur Sensibilisierung der Aufnahmegesellschaft in punkto Abbau von systemischen Barrieren.

Bundesweite Informationstools für die berufliche Anerkennung
1) Informations- und Servicewebsite www.berufsanerkennung.at
Die Service- und Informationswebseite www.berufsanerkennung.at dient mit dem „Anerkennungs-Wegweiser“ seit 2013 als Erstquelle für Basisinformationen zum Thema berufliche Anerkennung ausländischer Qualifikationen in Österreich. Der Anerkennungs-Wegweiser gibt Informationen zu 1.800 Berufen in Österreich, der den Besucher in maximal sechs Schritten zu richtigen Kontaktstelle bzw. zu weiterführenden Information, bspw. zu regionalen Beratungsstellen, navigiert. Des Weiteren erhält der/die Interessierte Informationen rund um den Anerkennungsprozess, zum Thema „Arbeiten in Österreich“ und zielgruppenorientierte Erklärungen der wichtigsten Begriffe.
Im Herbst 2014 wurde die Seite bedarfsorientiert überarbeitet, inhaltlich erweitert und in drei erste Bedarfssprachen (Englisch, Türkisch, B/K/S) übersetzt. Die Website bietet nun eine noch userfreundlichere Oberfläche und ist auch für den Zugriff von mobilen Endgeräten optimiert worden. Erfolgsgeschichten von Personen, die ihre Qualifikationen erfolgreich anerkennen ließen, motivieren, den Schritt der Anerkennung von Qualifikationen ausländischer Qualifikationen in Österreich aktiv zu initiieren. Insgesamt verzeichnete die Seite im Jahr 2014 165.863 Zugriffe, was einem Plus von 140 % zum Vorjahr entspricht. Die stark vertretenen Zugriffsländer sind dabei Österreich, Deutschland, die USA, Kroatien, Serbien sowie Bosnien.

2) Anerkennungshandbuch „Anerkennungs-ABC“
Auch das „Anerkennungs-ABC“ wurde bedarfsorientiert überarbeitet: Es bietet Informationen zu mehr als 200 reglementierten Berufen nach Berufsgruppen und Antragsstellen in Österreich und ist mehrsprachig in Deutsch/Englisch erhältlich. Als kompakte Erstinformation für Personen, die den Anerkennungsprozess in Österreich initiieren möchten, liefert das Anerkennungshandbuch zudem Auskunft zu unterschiedlichen Arten der Anerkennung wie auch zum österreichischen Bildungssystem. Das Anerkennungs-ABC liegt in sämtlichen Einrichtungen im In- und Ausland auf: bspw. den Anlaufstellen für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen (AST), den Integrationszentren des ÖIF, den Regionalstellen des AMS, bei Antragsstellen und auch international, bspw. den Österreich Instituten. Das Anerkennungshandbuch kann kostenlos unter berufsanerkennung@integrationsfonds.at bestellt werden.
Elektronisch steht das Handbuch zum kostenlos Download bereit unter: https://www.integrationsfonds.at/anerkennungs_abc/.

Jana Matischok (jana.matischok@integrationsfonds.at)